Publieke Werken – der Film

Der Film “Publieke werken” nach dem gleichnamigen Roman von Thomas Rosenboom erzählt die Geschichte zweier komischer Käuze am Ende des 19. Jahrhunderts, die nicht mit den grundlegenden Veränderungen der neuen Zeiten klarkommen. In Geschichtsbüchern liest sich dieser Wandel so einfach: Verstädterung und wissenschaftlicher Fortschritt, wirtschaftlicher Aufschwung und gesellschaftliche Mobilität. Doch wie sah das ganz konkret im Leben einzelner Menschen aus?

Walter Vedder, ein Schreiner, der sich selbst zum Geigenbauer promoviert hat, ist ein begeisterter Hobby-Stadtplaner. Voller Leidenschaft verfolgt er die Großbauprojekte in seinem heimatlichen Amsterdam, vom Bau des Hauptbahnhofs, über die Trockenlegung von Grachten um dem wachsenden Verkehr mehr Platz zu bieten, bis hin zur Errichtung kompletter Stadtviertel am Rande der Stadt. Als er die Nachricht erhält, dass genau an der Straßenecke, an dem sein eigenes Häuschen steht, ein Grand Hotel entstehen soll, wähnt er sich schon gleichberechtigtes Mitglied im Kreise der Amsterdammer Elite. Doch leider kommen die Verhandlungen mit dem Bauunternehmen über den Verkauf des Grundstücks nur sehr schleppend voran.

Sein Cousin Christof Anijs, ein Apotheker im provinziellen Drente, dahingegen hat ganz andere Probleme. Seine Mildtätigkeit und Besorgnis um die Torfbauern im Armenviertel, die ihn ehrfurchtsvoll “Doktor Anijs” nennen, wird von den Gemeindenotabeln weitestgehend belächelt. Doch als ein junger Mann ins Dorf zieht und eine zweite Apotheke eröffnet, gerät seine Existenz ins Wankeln. Dem Konkurrenten gelingt es, sich bei besagten Notabeln einzuschmeicheln. Obendrein hat er ein abgeschlossenes Universitätsstudium, während Anijs nur eine altertümliche Bescheinigung vorweisen kann. Und so muss er befürchten, als Quacksalber abgeschrieben zu werden.

Regisseur Joram Lürsen hat Rosenbooms Roman hat stimmungsvoll und glaubwürdig verfilmt. Für die historischen Straßenszenen wurden weder Kosten noch Mühe gescheut; man wahnt sich fast auf Zeitreise. Auch die beiden Hauptdarsteller liefern eine Glanzleistung ab. Es wäre einfach gewesen, diese tragikomischen Helden lächerlich zu machen oder in einer platten Karikatur zu verreißen. Hier allerdings werden sie zum Leben erweckt – mit all ihren menschlichen Schwächen und Macken.

Ganz großes Kino!

 


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